THILO JENSSEN

Restless Legs

Eröffnung: Donnerstag, 22. Juni 2017, 18.00 - 21:00 Uhr
Austellung bis 9. September 2017

Wenn-Dann-Logiken stellen das Gerüst aller Rituale, begleitet von festen Regeln, denen wir im Autopilot folgen. Die Intensität und Dauer ist dabei nicht Ausschlag gebend, egal ob mystische Vollmondtänze oder die Tasse Kaffe am Morgen. Wir lassen uns steuern und geben uns gerne dem rhythmisierten Ablauf hin. Die devote Teilnahme hilft Gedanken schweifen zu lassen und Gefühle in einen vorhersehbaren Kontext zu bringen - das Ritual als DNA-Plan unserer Identität und die Allzweckwaffe des täglichen Wahnsinns. Also Kopf aus, halte mich fest und bringe mich heil nach Hause.

Auch die kreative, beziehungsweise künstlerische Produktion orientiert sich an Ritualen: die tägliche Lektüre, das Abarbeiten von e-Mails, die Choreografie des Vernissagebesuches, Eskalation und Rückzug. Und vorweg das ständige Hinzuarbeiten auf Todeslinien, oft sogar auf mehrere zur selben Zeit. Kriegerisches und kämpferisches Vokabular, das wir systematisch durchlaufen und uns immer wieder mit den gleichen Gedanken konfrontiert sehen, wollen wir die Linie nicht überschreiten.

Das Warten, bis wir in der richtigen Stimmung sind, Aufgaben zu bewerkstelligen, kein Wissen, wie ein Anfang aussehen kann. Die Erfahrung zeigt, unter Druck arbeiten wir am besten. Daher verschieben wir alles auf später. Extremes Aufschieben ist eine Arbeitsstörung, die besonders bei Personen aufkommt, die in Eigenverantwortung arbeiten und nur unter enormem zeitlichen Druck Aufgaben fertig stellen können. Willkommen in der Prokrasti Nation.

Vielleicht kann aber auch das Ritual des Aufschiebens vielmehr in der Idee des geistigen Wartens verstanden werden. Ein privilegierter Moment der Ruhe, den wir uns bewusst setzen, um Energie zu tanken und der mehr der Lust an der Lustlosigkeit folgt.

Lena Katharina Reuter


The ‘If-then’ logic provides a structure for all rituals – this, together with fixed rules that we follow as if on autopilot. Intensity and duration is not crucial here, regardless of whether it’s mystical full-moon dancing or an early-morning cup of coffee. We allow ourselves to be controlled and often like to follow the rhythmic sequence. Devout participation helps your ideas drift, while bringing feelings into a predictable context. The ritual as the DNA plan of our identity and an all-purpose weapon against daily madness. So head off, hold me tight and bring me home in one piece!

Even creative or artistic production finds orientation in rituals. Daily reading sessions, working through e-mails, the choreography of opening visits, escalation and withdrawal. And beforehand the constant laboring towards dead lines, often even towards several at the same time. Belligerent, warrior-like vocabulary that we systematically run through and see ourselves time and again confronted with the same thoughts if we are reluctant to cross the line.

Waiting until we are in the right mood to perform tasks. No idea what a beginning might look like. Experience shows we work best under pressure so we defer everything for later. Extreme postponement is a work-related disorder found especially in people who work autonomously and can only complete tasks under enormous time pressure. Welcome to the Prokrasti Nation.

Perhaps the ritual of procrastination, too, can be understood more in the sense of mental waiting. A privileged moment of tranquility that we deliberately recharge our batteries, yielding more to the lust of listlessness.

Lena Katharina Reuter